Eine bierige Angelegenheit

Genussmittel und Kulturgut

Bier ist ein alkohol- und kohlensäurehaltiges Getränk, das durch Fermentation (teilweise mit Hefe) von Wasser, stärkehaltigem Gerstenmalz und Hopfen hergestellt wird. Bier verkörpert aber auch, so wie unser Brot, Tradition und Innovationspotenzial wertvoller, agrarischer Rohstoffe.
Bier und Brot verbindet nicht nur eine ähnliche Herstellung, sondern auch eine gemeinsame Geschichte. Dort wo Getreide angebaut wurde, bäckt man seit jeher Brot und braut Bier.

Ursprung

Bier gilt nach Wasser und Milch als das wohl älteste Getränk der Welt. Sein Ursprung liegt rund 10.000 Jahre zurück, man entdeckte den edlen Gerstensaft eher zufällig. Als „flüssiges Brot“ wurde ihm im Altertum der hohe Stellenwert eines Nahrungsmittels zugewiesen. Und diesen hohen Stellenwert hat sich das Bier in Österreich – dem Land mit der höchsten Brauereidichte – offenbar behalten. So trinken wir, relativ konstant, 103 Liter pro Jahr.

Bier-Begriffe

Hefe wird zwischen 18 °C und 24 °C vergärt; obergäriges Bier erhält dadurch oft ein fruchtiges Aroma

Hefe wird zwischen 8 °C und 14 °C vergärt; untergäriges Bier benötigt Reifung

mild, herb, vollmundig, malzig, hopfig, bitter, salzig, süß, säuerlich

karamellartig, getreideartig, aromatisch fruchtig, blumig, harzig/nussig

klar, blank, trüb

von hell- oder blass-gelb über goldgelb und dunkelorange bis dunkelbraun/schwarz

wird am Ende des Kochprozesses gemessen; dazu gehören vor allem Malzzucker, Eiweiß, Vitamine und Aromastoffe, die vor der Gärung aus Malz und Hopfen im Wasser gelöst werden

Bier wird mit Fruchtsäften oder anderen Erfrischungsgetränken gemischt

Beliebte Biersorten in Österreich

Sprach man vor gut 30 Jahren noch vom Brauereisterben, so hat sich die Zahl der Brauereien und der angebotenen Biersorten mittlerweile wieder vervielfacht. Zwar sind Märzen- und Lagerbiere die beliebtesten Biere der Österreicher, die Lust am Probieren und Experimentieren wächst jedoch.

  • untergäriges Bier
  • malzig
  • geringer Hopfen-Anteil (wenig bitter)
  • goldene Farbe
  • meist zwischen 5 und 5,5 % Alkohol
  • intensives Hopfenaroma (hohe Bitterkeit)
  • wenig malzig
  • blass-gelblich
  • erfrischend
  • obergäriges Bier
  • verwendete Malz muss zu mindestens 50 % aus Weizen bestehen
  • starker Hopfen- und Malzgeschmack
  • ca. 6 % Alkohol
  • bitter-süßer Geschmack
  • lange Reifezeit
  • dunkelorange bis hellbraun
  • ca. 6,5 – 7 % Alkohol
  • trübes Lagerbier
  • spezielle Lagerung
  • vollmundig
  • ungefiltert
  • 5 – 5,5 % Alkohol

Bierland OÖ

Gerade in Oberösterreich ist die Regionalität bei Bier besonders wichtig – ein frisch gezapftes Bier aus der regionalen Brauerei ist ein wesentlicher Bestandteil der oberösterreichischen Esskultur.
Oberösterreicher verbinden ihre Bierkultur mit Geselligkeit und dem gemütlichen Beisammensein unter Freunden. Zwar sind es das Innviertel und Mühlviertel, die als Bierregionen weit über die Grenzen des Bundeslandes hinaus einen ausgezeichneten Ruf bei Bierkennern genießen, aber auch im Salzkammergut versteht man sich ausgezeichnet auf den Umgang mit Hopfen, Wasser und Malz. Begründet sich die Brautradition des Innviertels (Region mit der höchsten Brauerei-Dichte innerhalb Österreichs) auf den Brautraditionen Bayerns, so hat die böhmische Bierkultur mit ihrer hopfigen Note deutliche Spuren in der Brautradition des Mühviertels hinterlassen.

Allein in Oberösterreich zählt die WKO 44 Brauereien, Mikro- und Gasthausbrauereien ausgeschlossen. Darunter findet sich auch das Landbrauhaus Hofstetten, die älteste Brauerei Österreichs. Besitzer Peter Krammer hat uns als Bierkenner und –liebhaber ein paar Fragen rund um den goldenen, edlen Saft (bspw. Rohstoffe und Herstellung) und seine Brauerei beantwortet.

Sujet Brauerei Hofstetten

„Wie funktioniert das Bierbrauen?
Was ist dabei zu beachten bzw. besonders wichtig?“

Als erstes muss die Mehlstärke des Getreides in Zucker umgewandelt werden. Dazu ist es wichtig, dass Gerste zu Malz verarbeitet wird. In der Brauerei wird dann das Malzkorn gemahlen und mit Wasser vermischt (Maischen). Im Suhdhaus wird die Stärke zu Zucker umgewandelt. Beim Kochen der Würze wird dann Hopfen als Gewürz zugegeben. Im Anschluss erfolgt die Gärung, wobei diese in die Hauptgärung (ca. 1 Woche) und die Nachgärung (Lagerung im Tank für 5 Wochen) aufgeteilt wird. Somit wird rund 80 % des Zuckers zu Alkohol vergoren und die Kohlensäure reichert sich im Bier an. Wenn das Bier blank sein soll, wird es vor der Abfüllung noch filtriert oder es wird wie beim Kübelbier unbehandelt abgefüllt.

Malzverarbeitung bei der Brauerei Hofstetten

„Welche Hopfen- und Getreidesorten werden
für die Hofstettner Biere verwendet?
Was ist euch bei den Rohstoffen wichtig?“

Grundsätzlich kommen alle Rohstoffe aus Österreich. Seit 2012 gibt es das Projekt Mühlviertler Braugerste. Hier wird Braugerste in der eigenen Landwirtschaft und mit 14 Landwirten gemeinsam angebaut, um ein Bier mit 100 % Mühlviertler Rohstoffen zu brauen. Der Hopfen kommt natürlich auch aus dem Mühlviertel. Lediglich für verrückte Bierprojekte kaufen wir auch Kleinstmengen an Hopfen in der ganzen Welt, um auch den österreichischen Bierliebhabern die große Welt der Craftbiere zugänglich zu machen.

„Welche Nährstoffe hat Bier?“

100 ml Bier haben 43 Kalorien, 3,5 g Kohlenhydrate und 1,0 g Eiweiß. Der Alkoholgehalt von Hellem Lagerbier (am meisten getrunken in Österreich) liegt bei rund 5,0 Vol. % oder bei einem Seidl 0,33 l rund 13 g reiner Alkohol. Bier enthält alle B Vitamine und vor allem Mineralstoffe wie Eisen, Zink, Mangan, Kalzium und Natrium.

„Was für besondere Biersorten
bietet das Landbrauhaus Hofstetten?“

Neben traditionellen Sorten wie „Märzen“ und „Pils“, sind unsere Spezialitäten wie „Granitbier“ oder „Kübelbier“ sehr beliebt.
Aber auch die neuen Bio Biere „Mühlviertler“, „Hochland Honigbier“ und „Kürbisbier“ mit Mühlviertler Rohstoffen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.
Dann gibt es noch eine ganze Menge an Starkbieren, wobei hier vor allem der „Granitbock“ zu erwähnen ist, der im alten Sudhaus von 1929 gebraut und in Jahrhunderte alten Steintrögen vergoren und mit heißen Steinen karamellisiert wird.
Aber natürlich finden auch Böcke wie der „Weihnachtsbock“, „Heller Bock Saphir“, „Sündenbock“, „Honigbock“ (2018 mit Lavendelhonig) seine Liebhaber.
Auch Craftbiere wie ein „Pale Ale“, „Iced IPA“, „Eisböcke“ und „Sauerbiere“ werden in Kleinauflagen in Hofstetten gebraut.

Granitbock brauen in der Brauerei Hofstetten

„Was liegt dem Landbrauhaus Hofstetten allgemein
bei Lebensmitteln und Ernährung am Herzen?“

Wir sind der Meinung, dass man bei Lebensmitteln und deren Preisen immer eine vollständige Rechnung anstellen muss. Wenn man den Boden in biologischer Weise bearbeitet, fügt man diesem keine Schäden zu, sondern stellt die natürliche Ordnung in der Natur wieder her. Das führt zu weniger Problemen mit extremen Wetterbedingungen, keinem verseuchten Grundwasser und schlussendlich zu gesunden Lebensmitteln. Daraus folgen weniger Erkrankung und damit auch ein geringerer volkswirtschaftlicher Schaden im Land. Bei Alkohol ist natürlich zu beachten, dass es sich hierbei um ein Genussmittel handelt, und daher ein verantwortungsvoller Umgang im eigenen Interesse ist.

„Was macht das Landbrauhaus Hofstetten einzigartig?“

Im Landbrauhaus sind neben der Brauerei auch eine Landwirtschaft und eine Mälzerei beheimatet. Die Landwirtschaft wurde 2008 auf Bio umgestellt, um unseren Brunnen, der das Wasser für unser Bier spendet, zu schützen! In der Landwirtschaft werden seit 2012 Braugersten angebaut. Hierbei gibt es neben aktuellen Sorten auch historische Sorten von 1940 mit denen 2018 ein Bier wie anno dazumal gebraut werden soll. Die aktuelle Sorte „Mühlviertler Braugerste“ ist die Grundlage für das Mühlviertler Bier.

„Seit wann gibt es das Landbrauhaus Hofstetten?“

Das Haus Hofstetten hat eine Geschichte, die lange zurückliegt. 1229 wurde sie erstmals als Raststätte erwähnt. Seit 1449 kann man die Brauerei urkundlich belegen und 1847 ging sie in den Besitz meiner Familie, der Familie Krammer, über. Seither wurde das Landbrauhaus auch im Bereich des Rampenverkaufs und der Führungen im Sinne der Bierinteressierten ausgebaut und erweitert. Um das alte Sudhaus aus dem Jahr 1929 zu entlasten gibt es allerdings zurzeit notwendige Baumaßnahmen, die Führungen erst wieder ab 2018 ermöglichen.

Neues Sudhaus der Brauerei Hofstetten

„Das Landbrauhaus Hofstetten ist ja auch Mitglied
der Initiative Bierviertel – wie entstand diese Initiative,
wer sind die weiteren Mitglieder und wofür steht ihr?“

Das Bierviertel entstand ursprünglich aus der Mühlviertler Bierreise, einem Tourismusprojekt des Landes OÖ. Nach der Auflösung dieser Initiative beschlossen die Braucommune Freistadt, die Stifstbrauerei Schlägl, der Biersommelier Weltmeister und Bierwirt Karl Schiffner und wir das Bierviertel zu gründen. Ziel des Vereins ist die Bierkultur in der Region weiterzuentwickeln und das Thema dem Kunden näherzubringen.

„Gemeinsam wurde eine Biercuvée kreiert.
Was macht sie besonders und
wird es einen nächsten Jahrgang geben?“

Bei der Cuvée 2017 wurden erstmals 4 Biere aus 3 verschiedenen Brauereien kuvertiert. Das spannende dabei ist, dass geschmacklich eine ganz neue Sorte daraus hervorging. Da dieses Bier bereits nach 4 Wochen vergriffen war, wird es 2018 eine neue Version geben.

„Welche Entwicklungen sieht das Landbrauhaus Hofstetten
im Bereich Bier und Ernährung? Welche Entwicklungen
würdet ihr euch wünschen?“

Der Trend zum bewussten Genuss greift immer mehr. Dadurch ist es auch nicht so schlimm, wenn teilweise stärkere Biere genossen werden, da das Volumen das konsumiert wird stark reduziert wird. Die Vielfalt an Bieren die derzeit am Markt sind, macht das Getränk spannend und zeigt auf, was aus der Vielzahl an verschiedenen Rohstoffen gebraut werden kann, so sollte eigentlich ein jeder seinen Bierstil finden der Spaß macht.

Brauerei Hofstetten
FOTOS: © Brauerei Hofstetten Krammer GmbH & Co KG

Landbrauhaus Hofstetten

Peter Krammer von der Brauerei Hofstetten

Peter Krammer

Adsdorf 5, 4113 St. Martin im Mühlkreis
+43 (0) 7232 2204 0 I

Ab Hof Verkauf
Montag – Freitag: 7.00 – 12.00 und 13.00 – 18.00
Samstag: 8.00 – 12.00
Sonn- und Feiertag geschlossen

Weitere Infos gibt’s unter: www.hofstetten.at

Alle Produzenten des Genusslandes Oberösterreich auf www.genussland.at.