Bitte zu Tisch

Die existenzielle Nahrungsmittelaufnahme hat seit einigen Jahren ein hohes Maß an gesellschaftlicher Aufmerksamkeit  – davon profitiert nicht nur der Buchmarkt, denn das Kochbuch ist seit langem eines der am stärksten wachsenden Segmente im Sachbuchbereich.

Essen ist aber längst mehr als Hunger stillen oder das Auffüllen von Energiespeichern.
Essen ist auch ein sinnliches Vergnügen. Der Duft der Speisen gehört ebenso dazu, wie die optische Inszenierung – ein angenehmes Ambiente, schönes Tischgerät, gute Gespräche, zusammengefasst unter dem Begriff „Tischkultur„.

Nicht selten aber trägt die kulinarische Verfeinerung auch seltsame Blüten und wir wundern uns über die Auswüchse der „Pinzettenküche“, die mit punktgenauer Präzision die absolute Perfektion am Teller schaffen will und jedes Essen zum Kunstwerk werden lässt, dessen Bestimmung es ist, zerstört zu werden!

Freilich, die Trennlinie zwischen neuem Gourmettrend und Dekadenz kann fließend sein!

Da aber jeder Trend die Sehnsucht nach seinem Gegenteil weckt, gibt es neben der Gourmetküche auch die Rückbesinnung auf das Einfache und Bodenständige. Regionalität boomt und kulinarische Traditionen werden wiederentdeckt und erfahren eine neue Wertschätzung.

Nichts desto trotzt steht in Zeiten der Globalisierung, Internationalisierung und Schnelllebigkeit auch die Nahrungsaufnahme unter Zeitdruck. Deshalb greifen lt. Umfrage Herr und Frau Österreicher wochentags auch gerne zu vorverarbeiteten Produkten, um damit die Essenszubereitung zu beschleunigen und sich die Vorbereitung zu erleichtern. Das Angebot und die Verbreitung sogenannter „Convenience-Produkte“ ist stark steigend, ergaben Umfragen.

Doch am Wochenende oder wenn es der Terminkalender erlaubt wird das Kochen für viele zur beliebten Freizeitbeschäftigung. Ohne Zeitdruck und unter Verwendung regionaler und natürlicher Lebensmittel mit geringem Verarbeitungsgrad kommt der Esskultur wieder neue Bedeutung zu. Das Essen mit Familie und Freunden wird zum Gemeinschaftserlebnis und das Genießen und Schmecken wird zelebriert.

Die Küche ist wieder, wie früher, der Mittelpunkt des Hauses oder der Wohnung, wenn der Gastgeber seine Kochkünste sowie sein kulinarisches Wissen und Können mit aufwendigen, mehrgängigen Menüfolgen unter Beweis stellt.